Touristen in Venedig, auch das noch!
Inzwischen haben sich eine ganze Menge Leute auf der Rialto Brücke breit gemacht.
Wo sind die alle plötzlich hergekommen? Auf zur Brücke. Einige streben nach oben, andere nach
unten und andere wollen nur schauen. Ich will nach oben und auch hin und wieder schauen.
Die Fassaden am anderen Ufer werden jetzt angeleuchtet. Sanft und
verträumt. Aber hier auf der Brücke wird es eng. Die Läden auf der
Brücke haben aufgemacht. Von oben blickt man über Schultern und Köpfe
hinweg in eine dunkle Gasse. Straßenläden an Straßenläden folgen
einander. Wir tauchen in den Schatten ein, folgen den Vorausgehenden. Ein
Blick nach oben, an einer Hausecke eine wundervolle Statue, eine
Schutzheilige jung und schön, weiß, vor einer Pfirsichfassade. Vom
Sonnenlicht umflutet, scheint sie zu jubilieren. Überall entdecke ich
Türmchen, Giebel, Verzierungen. Alles scheint hier im Übermaß: Stuck,
Fassaden, Simse, Farben, Licht.
Venedig wogt
Das Geschiebe geht voran. Ich schere aus der Menschenwoge aus.
Ein Platz umgeben von Arkaden. Eine Kirche. Auf kulturerlebnis versessen,
gehe ich auf die Tür zu - sie ist verschlossen, schade. Mein Begleiter
und ich gehen weiter nach rechts Richtung Canale Grande. An der
uferpromenade ist es gleich viel ruhiger. Eine Kunststudentin skizziert
und verwirft sogleich alles wieder. Die Paläste am anderen Ufer sind
groß und prächtig, farbenfroh und über und über verziert - bis auf ein
weißes etwas klotziges Gebäude. Die ehemalige deutsche
Handelsniederlassung. Na ja, keine Phantasie. Das einzige nüchterne
Gebäude hier. Zurück zur Rialto Brücke. Die Straßenläden sind voller
Masken, Schmuck, Dolche, Armbrüste, Pistolen (das Richtige für's
Handgepäck im Flugzeug), ob echt oder Zierde, keine Ahnung. So ein Schwert
würde ohnehin nicht in meinen Koffer passen. Oder wie wär's mit einer
zierlichen Daumenschraube. Ob der Beschenkte das originell fände oder aus
dem Mitbringsel schließt, dass man ihn nicht mag? Dann kommen
Lederhandtaschen und Täschchen, rot, chic, elegant und doch
unkonventionell. Echtes Leder, sogar sehr gut verarbeitet und dabei
durchaus erschwinglich, ja im wahrsten Sinne preiswert. (Ich habe zuhause
einen Lederschlüsselanhänger als Weinachtsgeschenk gekauft und der war
genau so teuer wie eine nette kleine italienische Handtasche zum
Ausgehen).
Venedig, das Einkaufsparadies - das Objekt der Begierde
Da, eine rote pausbäckige Ledertasche, Lippenstift-rot, sehr
chic. Ich glaube Carrie Bradshaw würde sich die Finger danach verzehren.
und ich tue gerade dasselbe. Ich habe nämlich (fast) kein Geld mit. Der
Reiseführer warnte vor Taschendieben und sagte nichts davon, dass man in
Venedig preiswert einkaufen kann.
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