Venedig: Maler, Gondeln, Venedigs Stadtviertel San Toma
Der Künstler an seinem Stand mit Venedig-Gemälden scheint noch nichts verkauft zu haben, er sieht etwas traurig
aus. Neben dem Bootssteg für das öffentliche venezianische
Verkehrsmittel - Vaporetto - liegt der Gondelableger. Die schwarzen Gondeln sind
richtige Kleinode, reich mit Schnitzereien verziert, innen rote Samtkissen
mit Goldbordüren. Die Gondeln strecken abwechselnd ihren halsförmigen
Bug nach oben, wippend, wie Pferde beim Pferderennen. Auf und ab, auf und
ab, mir wird schon wieder ganz schaukelig im Magen.
Bootsfahrt zu Venedigs Stadtviertel San Toma
Das Vaporetto ist jetzt voll, kein Sitzplatz, schweißige Enge.
Dir Luft ist stickig. Meine Kleidung klebt. Bei San Toma raus. Augen zu
und durch in eine schmale Gasse. Oh, keine Touristen, gar keine!
Plötzlich fällt alle Hast ab. Ich blicke zum Canale Grande zurück und
genieße den Anblick.
Venedig spielt Versteck
Die schmale Gasse in Venedig, San Toma, ist wirklich schmal, und sie endet auch
gleich; oder doch nicht? Vor mir eine Wand, der Weg geht nun nach rechts
oder links, wo er wiederum zu enden scheint. Also nach rechts, dann nach
links. Ich bin im Gassenlabyrinth Venedigs. Unvermittelt eröffnet sich
ein kleiner Platz. Über den Dächern erhebt sich ein Campanile, also ein
Glockenturm.
Eine etwas andere Kirche in Venedig
Ein Glockenturm gehört zu einer Kirche und dieser
hoffentlich zur Frari-Kirche. Dort will ich hin. Tizian finden oder besser
gesagt sein Grab.
Frari-Kirche in Venedig, riesige Gemälde
Die Frari-Kirche in Venedig ist ein riesiger, in ihrer Strenge eher unvenezianischer
Backsteinbau und sie ist vor allem eines - groß. Die Häuser in respektvollem Abstand
zur Kirche spenden Schatten. Es ist mittags in Venedig. Wir flüchten uns in die
Kühle der Kirche. Langsam gewöhnen sich unsere sonnenbebrillten Augen an
das schumrige Licht. Die Frari-Kirche ist die eines venezianischen
Bettelordens, aber voller Kunstschätze: riesige Gemälde und prunkvolle
Grabstädten.
Ein venezianisches Gemälde
Als ich an ein Gemälde Tizians herantrete, es zeigt Maria
mit dem Kinde und Menschen, die sich um sie versammelt haben, bemerke ich,
das ich neugierig gemustert werde. Ein Knabe blickt mich über seine
Schulter direkt an. Ich fühle mich fast wie ein Eindringling, der die
traute Runde stört. So als hätte er meine Schritte gehört. Natürlich
ist das vor mir ein Gemälde, aber es ist beseelt. Die Figuren wirken
lebendig. Es ist es etwas seltsames mit dem Bild. Irgendwie erschaudere
ich, ich weiß nicht recht, wie mir geschieht.
Venedig ganz privat, Venedig zum Heulen schön
Ich sitze nun vor der Frari-Kirche am Rio San Toma, ein schmaler
sonnendurchfluteter Kanal. Weiße Marmorstufen unter Wasser, das Ganze
wirkt sauber wie ein Schimmingpool. Ein sehr privater Ort, den ich für
mich habe. Plötzlich schießen mir die Tränen in die Augen. Ich weiß
nicht warum. Vielleicht weil die dargestellten Menschen und auch der
Künstler, Tizian schon 400 Jahre tot sind, und doch so lebendig schienen.
Vielleicht wegen all der Schönheit in all ihrer Vergänglichkeit hier in Venezien, wo
Zeit so faßbar wird. Ich weiß es nicht. Tränen kullern. Es läuft
einfach aus mir raus. Ich bin nicht traurig, nur tief bewegt. Ich kann es
nicht stoppen.
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