Venedig Teil 2 >>

Meine Reise nach Venedig

 


Venedig noch nicht gesehen?!

Vielleicht gibt es nur wenige Menschen, die Venedig noch nicht gesehen haben - nun ich gehörte zu dieser Gruppe Sonderlinge.

 

Meine Eltern schenkten mir einen Venedig-Reiseführer. Von der Aufzählung all dieser Kunstschätze und Paläste wurde mir zumindest nach dem 20. Palazzio völlig schummrig im Kopf. Je mehr ich las, um so aufgeregter wurde ich, nein, nicht Vorfreude, ich bekam plötzlich Panik, das Wichtigste zu verpassen.

 

Vor der Venedigreise - Streß satt

In der Arbeit lief es gerade nicht so gut. Knirsch, da war es passiert: Beim Kaugummikauen war der obere Zahn auf den unteren gekracht, und wie. Etwas unter Schock und völlig ungläubig schaute ich in den Spiegel - na großartig, eine winzige Kerbe war sichtbar. Zu klein, um Aufhebens davon zu machen, aber zu scharfkantig, um sie zu ignorieren. Nun es war Samstagabend, der Notarzt war ein wahrer Künstler, die Schönheit war wieder hergestellt.

Venedig im August

 

Welche Vorzeichen waren das? Sollte es stimmen, Venedig im August? "Oh, ich hatte Glück", sagte meine Mutter. "Ich war immer in Venedig, nachdem es geregnet hatte. Venedig soll ja so stinken". Der Reiseführer warnte nicht nur vor Taschendieben, die von den Touristenmassen magisch angezogen werden, sondern auch vor dem "unglaublichen Geschäftssinn" der Venezianer, ihre "Liebe zum Geld", die bei vielen Touristen zu Verstimmung führe. Also fassen wir zusammen, der Schmerz in meinem Mund ließ nach...was erwartete mich? Ausgetretene Pfade, und womöglich Verdruß über einen wenig liebenswerten Menschenschlag.

 

Ich erhoffte mir nicht viel. Hinfahren und abhaken, wäre da nicht Tizian. Ja Tizian, der großartigste Maler der Renaissance, gefeierter Sohn dieser Stadt, 101 Jahre alt und hochverehrt. Ihn wollte ich besuchen, in der Frari-Kirche. Alles andere war mir egal.

 

Per RyanAir nach Venedig

Das Ticket von RyanAir hatte ich vor Monaten gekauft: 99 Cent. Nicht übel, dazu kommt zwar die Flughafensteuer, aber trotzdem noch billig. In Frankfurt/Hahn angekommen, musterte ich die Leute im Transit-Raum, wer sieht italienisch aus? Irgendwie sahen alle ganz normal aus. Eher deutsch. Blaß. Da wirkte ich ja eher wie eine Vollblut-Italienerin. Da erinnerte ich mich an das Gemunkele über den italienischen Brückenbauer und die ungeschickten Ausweichversuche. Hatte ich nun italienische Wurzeln? War etwas dran an diesem Geheimnis? Vielleicht würde ich etwas merken oder fühlen... Es ging los. Das Gerenne um den Sitzplatz, zwei junge Herren, braungebrannt, fragten mich nach meinem Namen, das Hotel... wie süß. Sie waren zwar etwas zu jung für meinen Geschmack, aber können schon den Tag erhellen. Von nun an lächelte ich.

 

Landeanflug über Venezien

Die Ankunft ging rasch. Kaum hatte ich die Alpen mit einem faltig-grauen Gletscher ausgemacht, ging es zum Landeanflug in eine Ebene - Venetien. Ich war überrascht: Grüne, exakt angelegte Felder, ein sattes Grün. Dazwischen der erste nadelschlanke Campanille, also ein Glockenturm, ganz so, wie aus dem Reiseführer. Die Landung war sanft. Der Flughafen Treviso kleiner als eine Busstation. Ein Gepäcklaufband, das war alles.

 

Chirocco über Venetien

Draußen Hitze, totale Schwüle. Wie hieß dieser Wind nochmal, der von Afrika über das Mittelmeer streift, Chirocco, ja richtig. Hat auch einer Automarke seinen Namen geliehen. Apropos Auto, der Mietwagen war italienisch kreativ geparkt. Irgendwie kam ich auf die Straße nach rechts, am Kreisverkehr nochmal rechts, da war es schon, das Hotel. Neu, recht groß, nicht übermäßig elegant.

 

Hotel in Italien

Ich war froh, angekommen zu sein. Die Rezeptionistin experimentierte mit Deutsch, nahm den Ausweis. Zum Schluß kam: "Ich bin fertig." Mit dem unvergleichlich köstlichen Akzent, der sofort an "Ich haben fertig" erinnerte. Ich mußte schmunzeln. Sie etwas verunsichert fragte nach Redewendungen. Nun, wir kamen ins Gespräch. Auch ich übte ein wenig Italienisch. Aber wenn ich es mir recht überlege, macht eigentlich die Unperfektion das ganze erst warm, sympathisch und ja - etwas persönlich. Das Zimmer war chic. Zwei große Spiegel mit Goldrahmen, goldene Tapete, Intarsienmöbel, ein Kunstdruck (ein Getreideschober von Gaugin) Lampen und Lämpchen. Überall sonst wäre diese Mischung entgleist, aber hier, in Italien, wirkte sie nicht kitschig, sondern stimmig und sehr edel. Alles paßte einfach.

 

 

Hier bitte weiterlesen: Venedig Teil 2 >>


 



 

Impessum © 2008 TRADUguide