Weimar, die Stadt von Goethe und Schiller kennt sicher jeder von mehr oder weniger langweiligen Schulausflügen, aber Weimar ist schick geworden. Überall wurden die Villen renoviert, Parkanlagen mit Blumeninseln verziert. So fällt an Weimar auf, dass es eine sehr grüne Stadt ist. Sicher ist der Park an der Ilm besonders bekannt, da hier die Herzogin Amalia Bibliothek und das Weimarer Stadtschloß anliegen. Am Stadtschloss kann man übrigens eine halbe Stunde kostenlos parken, genug für einen kurzen Spaziergang durch den Innenhof des Schlosses bis zur romatischen Sternbrücke, die die Ilm überspannt. Wir sind faule Städter, die Autogeneration, die nicht mehr so weit laufen will, wenig Zeit hat, und vor allem genießen will. Daher haben wir nach Wellness-Hotels in Weimar im Internet gesucht. Teuer und mondän, der russische Hof. Preiswert, recht groß und mit schönem Innenpool, Whirlpool und Sauna das Hotel Leonardo in Weimar. Eine Übernachtung im Doppelzimmer des Viersterne-Hotels kostete 72 Euro. Die Anreise erfolgte bereits vor 12 Uhr Mittag, was kein Problem war. Wir bekamen unsere Zimmer gezeigt, die mit Rundbogenfenster eine schöne An- und Aussicht boten. Übrigens, die anderen Etagen des Hotels haben rechteckige Fenster - die an ein Tonnengewölbe erinnernden Bogenfenster hat nur die sechste Etage. Spät kehrten wir ins Hotel zurück. Gegen 22 Uhr sind die Wellness-Fascilitäten von Hotels - selbst von 5-Sterne-Hotels normalerweise geschlossen. In diesem Weimarer Hotel aber nicht. Wir schlichen uns im Bademantel zu den Duschen und zum Innenpool. Nicht zu fassen, um diese Uhrzeit versah sogar noch ein Bademeister seinen Dienst. Wir erbaten 5 Minuten. Der Wellnessbereich des Hotels war seit 21 Uhr eigentlich geschlossen. Der Bademeister war sehr nett und nickte. Nach ein paar Bahnen war ich sehr erfrischt. Der Whirlpool hat eine angenehmere Temperatur. Aber sogar die Sauna hatte noch Restwärme, so dass wir uns aufwärmen konnten. Nächster Morgen. Frühstück. Einige Mutige waren bereits auf der Außenterrasse frühstücken, wir drinnen. Die Auswahl war vom Variantenreichtum gut, von der Qualität her sehr gut. Besonders schmeckte die Salami, da bin ich ein echter Kenner. Kleine Überraschung: Es gab einen Omelett-Koch an der Frühstücks-Theke. Alles in allem war der Service, die Freundlichkeit und die Ausstattung eher die eines Fünfsterne-Hotels. Viele Viersterne-Hotels im In-und Ausland hängt das Leonardo also locker ab. Nach dem Frühstück war das Wetter einfach viel zu schön. Also fuhren wir zum Stadtschloß von Weimar. Der mit einem Turm versehene Bau beherbergt eine wunderbare Kunstsammlung. Derzeit liegt der Schwerpunkt auf den Werken Lucas Cranachs. Man findet sonst auch schöne Gemälde der Romantik in diesem klassizistischem Bau. Durch das Tor gelangt man in einen offenen Schloßhof und weiter zum Park an der Ilm. Von der Sternbrücke hat man einen wunderschönen Blick zur Kegelbrücke. Vom Stadtschloß bigt man in die Marktstraße ein und ist am Markt. Dort braucht man nur noch asiatischen Reisegruppen folgen und schon ist man am Frauenplan mit dem Goethehaus. Aber jeder kann sich seinen Weimarspaziergang selbst zusammenstellen. Und wer Input will - die Touristen-Information ist am Markt von Weimar gleich neben dem Lucas Cranach Haus. Zurück im Hotel nahmen wir den Pool-Lift, schwammen ein wenig. Es ist schon erstaunlich, dass man den Poolbereich eines Hotels dieser Größe nur mit einem jungen Pärchen teilt. Aber vielleicht sind alle anderen Hotel-Gäste im Schiller- oder Goethehaus. Schließlich ist Weimar die Stadt der deutschen Klassik. Oder flanieren über den Markt mit dem Rathaus von Weimar und dem gegenüberliegenden Lucas Cranach Haus. Ich kann mich noch gut an meinen Ferienjob-Start als Reiseführerin erinnern. Am Cranach Haus sieht man ein Wappen. Und ich sollte folgendes ins Französische übersetzen: "Zum Zeichen der Trauer hält die geflügelte Schlange ihre Schwingen gesenkt." Wie macht man das, wenn man weder Schlage noch Schwingen kennt, da man erst ein Jahr Französisch hatte? Nun, man erzählt von Lucas Cranach dem Älteren, dem Maler, der seinen Sohn, der übrigens auch Maler war, früh verlor. Hier endet unser geträumter Spaziergang durch Weimar. Raus aus dem Pool, trocknen in der Sauna und bis zum Aus-Checken in fünf Minuten noch rasch anziehen. Mit dem Poollift geht es nach oben. Die Schlüsselkarte ziehen wir durch den Schlitz, aber die Zimmertür öffnet sich nicht. Mit Erschrecken stellen wir fest, dass die Uhr im Wellnessbereich nachging. Also ab zur Rezeption. Die Türkarte wird automatisch entwertet, wenn die Zeit im Hotel abgelaufen ist, wird uns erklärt. Wir müssen aber nicht nachzahlen. Finde ich nett. Zwei Minuten später haben wir unsere Koffer und begleichen unsere Rechnung: 17 Euro pro Nase für das Frühstück. W. hat über Internetbuchung des Hotels einen Preis von 12 Euro fürs Frühstück ergattert. Es wird noch eine Kulturabgabe, sprich Kurtaxe fällig. Weimar ist eine Kurstadt. Aber die vielen Blumenbeete an allen Straßen und Plätzen sponsorn wir gern. Außerdem ging die Parkschranke hoch, so dass wir die 10 Euro für den Autoparkplatz des Hotels gar nicht zahlen brauchten. Kurz und gut, das war ein preiswertes Verwöhnwochenende mit Wellness und viel Kultur. Wir müssen den Zug erreichen. Der Bahnhof von Weimar ist ebenfalls ein klassizistischer Bau, der frisch renoviert wurde. Es ist noch Zeit. Auf dem Bahnsteig zieht es heftig, besonders unter der Überdachung. Das haben wohl Bahnhöfe so an sich. Wir setzen W. in den Zug, winken und fahren selbst ab. Weimar ist schön. Goethe und Schiller grüßen von einem Plakat des Fremdenverkehrsverbands Weimar. Dann folgen Rapsfelder und die Autobahn. Von der Ferne mahnt der Ettersberg mit dem Mahnmal und der Gedenkstädte Buchenwald.
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