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Deutsch > Englisch: Krimi, 84365 Wörter
- Krimi, spielt in Basel
- 300 Seiten (84365 Wörter)
- sollte im Oktober 2012 fertig sein
Beispieltext:
Prolog
Basel tickt anders», grinste Willy Zürcher provokativ, kippte den letzten Rest aus der mundgeblasenen Halb‑ liter-Karaffe in sein Glas, nahm einen Schluck und ließ den kräftigen, rubinroten Italiener langsam auf der Zunge wirken. Weich und voll im Auftakt, mit kräftigen Tanninen, erinnerte ihn der aromatische Abgang an Himbeeren. Während sich im Mund das charakteristische Gefühl von Trockenheit einstellte, wartete er gespannt auf die Reaktion seines Gegenübers.
«Schön wär's. Ein Slogan, den sich ein paar Werbefuzzis ausgedacht haben. Weiter nichts. Basel litt schon immer an einem Minderwertigkeitskomplex. Ist ja auch nicht verwunderlich, von der übrigen Schweiz so in die Ecke gedrückt, eingepfercht zwischen Deutschland und Frankreich …»
An Hans Schwarzkopfs Mundecken begannen sich kleine weiße Schaumkronen zu bilden. In einem Zug leerte er das halbvolle Bierglas, brüllend bestellte er eine weitere Stange.
Gleichzeitig bohrte Willy Zürcher ein Loch in die noch jungfräuliche Kubanerin. Mit einem dreistrahligen Gasfeuerzeug brachte er die Zigarre zum Glühen. «Ich verstehe dich nicht ganz, Basel ist doch etwas Besonderes.»
«Die Wahrheit ist doch die, dass Basel gerne anders ticken würde als der Rest der Welt.»
«Immerhin gibt es die Fasnacht.» Zürcher wusste genau, dass dieser Schreiberling von der profillosen Stadtzeitung im Grunde die gleiche Meinung zur Stadt am Rheinknie hatte wie er, aber schon zu Beginn des Gesprächs hatte er sich vorgenommen, ihn ein wenig zu ärgern. Im erhabenen Wissen um seine Überlegenheit schloss er für einen kurzen Moment die Augen und blies den aromatischen Rauch der Kubanerin weit in die Luft. Da der Journalist mit dem betrunkenen Blick eines müden Kamels nicht reagierte, doppelte Zürcher nach, während er auffordernd seine dichten Augenbrauen hob. «Die ist doch einzigartig, oder nicht?»
Schwarzkopf verwarf die Hände. «Ach, hör doch auf. Scheißfasnacht!»
Die Serviertochter kam mit dem neuen Bier. Etwas zu hastig knallte sie es auf den Bierdeckel, wobei sich von der übervollen Pilskrone einige Tropfen lösten und in fröhlichen Kapriolen auf dem einfachen Tisch deutscher Eiche landeten.
Der Journalist schien das gar nicht zu bemerken. «Lustig, lustig, trallala … Für drei Tage sitzt der schmierige Kotzbrocken und Bonifresser neben dem Trämlifahrer und sie prosten sich fröhlich zu. Den Rest des Jahres fährt jeder schön getrennt, der eine chauffiert mit der Straßenbahn den Pöbel durch die Stadt, der andere hat seinen eigenen Fahrer, der ihn in seinem fetten Bentley übers Land kutschiert.»
«Ist doch schön, oder nicht? Wenigstens einmal im Jahr …», kommentierte Zürcher mit einem ironischen Unterton.
«Bist du bescheuert? Sei ehrlich, wenn's ums Geld geht, ist diese Stadt so korrupt wie jede andere auch.» Das fünfte Bier zeigte allmählich seine Wirkung, mit jedem neuen Satz wurden Artikulation und Denkprozesse des Journalisten schwerfälliger.
«Was hat denn die Fasnacht mit Korruption zu tun?», wunderte sich Zürcher.
«Ach, das ist doch alles der gleiche Brei. Und wie steht es mit dem Filz? Basel ist derart provinziell, in dieser Stadt kennt doch jeder jeden. Das hat doch mit justiziärer Gerechtigkeit überhaupt nichts mehr zu tun.»
«Wahrscheinlich nicht, da hast du recht. Doch die Welt war noch nie gerecht und wird es auch in Zukunft nie sein.»
«Ich höre wohl nicht recht. Und so einen Scheiß erzählt mir ausgerechnet ein Bulle?»
«Du tust so, als hättest du noch immer Illusionen auf eine gerechte Welt, dabei hast du die ebenfalls schon längst verloren», konterte Zürcher.
«Tu ich nicht! Ich glaube an eine bessere Welt!»
«Quatsch, sonst würdest du nicht hier sitzen und dich jeden Tag volllaufen lassen.»
«Meine Fresse, wie kannst du bei einer solchen Einstellung überhaupt noch arbeiten, so als wäre alles in bester Ordnung?»
«Zugegeben, es gibt Tage, an denen ich mir genau diese Frage stelle …» Etwas zu hastig zog Zürcher an seiner Zigarre, sodass er husten musste.
Schwarzkopf grinste. «Auf diesen Scheiß brauch ich noch eine Bier … Fräulein! Noch eine Stange!» Während er das leere Glas in der Luft schwenkte, kippte er beinahe vom Stuhl.
Einer der wenigen Gäste – das Lokal schien kurz vor Monatsende nicht sehr gut zu laufen – hob ein paar Tische weiter den Blick von seiner Zeitung und schüttelte entrüstet den Kopf. Die junge Serviertochter brachte das bestellte Bier. Zürcher verlangte die Rechnung.
«Ich mache ganz einfach meine Arbeit, ich ermittle.» Mit dem letzten Schluck Wein spülte er seinen aufkommenden Ärger hinunter. «Mehr kann ich nicht tun. Sind bei einem Fall die Ermittlungen abgeschlossen, wandern die Akten eine Etage höher zu den Staatsanwälten. Was dann passiert, darauf habe ich keinen Einfluss mehr.»
«Mir kommen gleich die Tränen.»
«So läuft das nun mal. Die Alternative wäre in den Rhein zu springen, dazu habe ich aber nicht wirklich Lust.»
«Keine schlechte Idee.»
«Damit würde ich gewissen Leuten nur einen Gefallen tun.»
«Mann, das gäbe eine tolle Schlagzeile», stammelte der Lokalreporter mit schwerer Zunge, wozu er mit der Hand virtuelle Buchstaben in die Luft setzte. «Toter Bulle im Rhein.»
«Vergiss es, ich werde weiterhin ermitteln», erwiderte Zürcher bedrückt.
«Schade.»
«Halt die Klappe und trink dein Bier.» Willy zog nervös an der Zigarre und blies den Rauch dem Journalisten direkt ins Gesicht, der darauf mit einem Hustenanfall antwortete. Von Genuss keine Spur. «Ihr Schreiberlinge habt doch keine Ahnung, was da alles abläuft.»
Die Serviertochter brachte die Rechnung. Sechsundfünfzig Franken fünfzig für fünf Bier und einen halben Roten. Zürcher staunte nicht schlecht. Um diesen Betrag zu verdienen, musste er mehr als eine Stunde arbeiten. Er rundete den Betrag auf achtundfünfzig Franken, im Wissen, dass die Serviertochter für dieselbe Summe beinahe drei Stunden ackern musste. Die junge Frau dankte es ihm mit einem strahlenden Lächeln.
Zürcher wandte sich wieder an Schwarzkopf. «Manchmal kommen Fälle ins Stocken oder werden gar eingestellt, verstehst du? Trotz glasklarer Beweise! Wir reißen uns den Arsch auf, die Maschine läuft glatt. Doch plötzlich rieselt von oben still und leise Sand ins Getriebe, bis die Karre stillsteht.»
«Von welchen Verfahren spricht du, verdammt nochmal?», wollte der Journalist wissen, der nun plötzlich völlig nüchtern zu sein schien.
«Sagen wir mal, wenn es gegen amtierende Regierungsmitglieder oder andere einflussreiche Gestalten geht …»
«Du meinst den Filz, von dem ich vorhin gesprochen habe?»
«Genau, die richtige Partei und die passende Seilschaft, und alles ist geritzt.»
«Ist ja widerlich. Was tust du dagegen?»
«Du hast recht, es ist widerlich. Aber ich bin Bulle und nicht Robin Hood.»
«An was glaubst du dann?»
Der Kommissär erhob sich vom Stuhl. «Es gibt nur eine einzige Kraft, die dem bestehenden Filz gefährlich werden könnte.»
«Und die wäre?», bohrte der Mann weiter.
«Das fragst du mich?» Zürcher beugte sich etwas über den Tisch. «Dann muss ich dir leider sagen, dass du in deinem Beruf fehlplatziert bist.»
Schwarzkopf, dem in diesem Augenblick keine passende Antwort einzufallen schien, ließ den Kopf schräg auf die rechte Schulter fallen, während er Zürcher etwas verunsichert anschielte.
«Diese Kraft, von der ich sprach, ist die Kraft der Öffentlichen Meinung.»
Ahnungslosigkeit machte sich in Schwarzkopfs Augen breit.
«Ihr seid doch diejenigen, die uns laufend mit Informationen füttern.»
«Ja. Genau das ist mein Job, euch mit Bananen zu füttern.»
«Bananen wären wenigstens noch nahrhaft. Das Gegenteil ist der Fall. Wir verhungern in der Informationsflut. Wir bekommen nur noch euren täglichen Mist zu fressen. Fastfood … Informations-Abfall in Form von kleinen Zwanzig-Minuten-Häppchen und anderem Gratiszeitungs-Müll. Sozusagen.»
«Keinen blassen Schimmer, was du meinst.»
«Tatsächlich brisante Informationen werden von euch doch laufend ignoriert und unterschlagen.»
«Ich versteh kein Wort!»
«Berichte über die großen Drahtzieher, Abzocker und Gangster …»
Schwarzkopf kratzte sich hilflos am Kopf. «Bin ich denn lebensmüde? Heutzutage ist es doch schon gefährlich, wenn du dich für die falsche Karikatur entscheidest.»
«Selber schuld. Ihr Medienfuzzis besitzt eine gewaltige Macht – eine Macht, die dem Filz tatsächlich das Fürchten lehren könnte. Stattdessen berichtet ihr aber lieber über so interessante Dinge wie die Miss Schweiz, die an Fußpilz leidet. Harmloser als die Stadtzeitung kann man gar nicht mehr sein. Statt gut recherchierter Artikel serviert ihr uns seichte, nichtssagende, mit schönen großen Bildern aufgemachte Stories, die tags zuvor bereits im Internet zu sehen waren. Fad und stinklangweilig! Also, Herr Journalist, lass mich meine Arbeit machen und du kümmerst dich um
deine.»
Zürcher ließ die Zigarre in den Aschenbecher gleiten und ein knappes Wort des Abschieds verlauten. Zurück blieb ein völlig verdatterter Journalist, dessen bemitleidenswerter Blick auf Zürcher verharrte, bis dieser an der Garderobe seinen verknitterten Mantel vom Haken gestreift und das Lokal verlassen hatte.
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